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Religiöser Glaube und Parteiendemokratie

Unter diesem Thema stand der Studientag zum Wintersemesteranfang 2010/2011 an unserer Fachhochschule am 21. September. Prominente Gäste waren diesmal Katrin Göring-Eckardt, Bundestagsvizepräsidentin, Präses der EKD-Synode und Präsidentin des 33. Deutschen Evangelischen Kirchentages und ihr Mann, Oberpfarrer Michael Göring aus Ingersleben in Thüringen.

Beide „verkörpern“ quasi das Thema des Studientages, da sie sich im Spannungsfeld zwischen Kirche und Politik engagieren – als Politikerin in der Evangelischen Kirche und als evangelischer Pfarrer in der Partei Bündnis 90/Die Grünen. Angesichts zunehmender Politikverdrossenheit ging es vor allem um christliche Leitlinien für politisches Handeln. Nach einer Andacht (Prof. Dr. Matthias Albani) und einem gemeinsamen Frühstück mit den Studierenden folgte ein Impulsreferat der beiden Gäste, welches sie in origineller Weise als Dialog gestalteten. Dabei verknüpfte das Ehepaar die theologisch-politischen Erörterungen immer wieder geschickt mit biographischen Begebenheiten und Erlebnissen, wodurch in besonderer Weise das Interesse der Studierenden geweckt und vielfältige Anregungen für die weiteren Gespräche gegeben wurden.

Ein zentraler Punkt war die Frage, ob es eine „christliche Politik“ geben könne. Katrin Göring-Eckardt beantwortet sie mit einem klaren „Nein“ und machte an konkreten Beispielen deutlich, wie unterschiedlich bestimmte aktuelle politische Sachfragen von verschiedenen christlichen Politkern der demokratischen Parteien beantwortet und entschieden werden. Vielmehr komme es in unserer pluralistischen Demokratie darauf an, dass die evangelische „Freiheit eines Christenmenschen“ in die politische Tat umgesetzt werde. Dabei sollten Christen im politischen Entscheidungsprozess vor allem „fragen, zweifeln und glauben“. In diesen drei Schritten komme die christliche Offenheit und Verantwortung zum Ausdruck, die auch vor Irrtümern nicht gefeit sei. Glauben bedeute dabei das Vertrauen, die Dinge in Gottes Hand zu legen und aus dieser Gewissheit an der Veränderung der Welt mitzuwirken. Christen sollten ein positives Verhältnis zur Macht entwickeln, nicht zur Macht um ihrer selbst willen, sondern zur Macht, die gestalten und ungerechte Verhältnisse verändern will. Als geistliches Vorbild der beiden Theologen kam öfter Dietrich Bonhoeffer zu Wort, der es als christliche Aufgabe formuliert hat, am gegebenen Ort das Notwendige zu tun und ganz im Diesseits Verantwortung zu übernehmen. Abschließend forderte Katrin Göring-Eckardt dazu auf, im Sinne Jesajas nicht die Asche zu hüten, sondern das Feuer des Glaubens immer wieder neu zu entfachen, vor allem durch eine tiefe Fröhlichkeit, die wahre christliche Existenz ausmache.

Nach einer Pause wurde das Thema in fünf Arbeitsgruppen weiter diskutiert und der Impulsdialog der Gäste ausgewertet. Das Echo bei den Studierenden auf das Gehörte war weitgehend positiv und von vielen „Aha-Effekten“ geprägt. Es folgte eine Mittagspause und ein abschließendes Podiumsgespräch (mit zwei Studierenden der Fachhochschule – Ekkehard Weber und Manuela Georgi – und der Rektorin Prof. Hildegard Wickel), welches von dem neuen Dozenten für Jugendarbeit und Gemeindepädagogik, Tobias Petzoldt, souverän moderiert wurde. Als Einstieg führten die Studierenden Frank Rauer und Daniel Arnstadt ein amüsantes Streitgespräch, worin zwei typische kontroverse christliche Haltungen zum Thema „Politik“ aufeinander prallten. Im folgenden, recht harmonischen Podiumsgespräch wurden noch einmal verschiedene Aspekte des Themas vertieft und Fragen sowie Gesprächsergebnisse der Arbeitsgruppen in die Diskussion eingebracht. Abschließend ermutigten die Thüringer Gäste unsere zukünftigen Gemeinde- und Religionspädagogen noch einmal, in ihrem Umfeld der Politikverdrossenheit zu begegnen und luden besonders zum „herzlichen“ Engagement auf dem kommenden 33. Deutschen Evangelischen Kirchentag in Dresden ein. „Bewahre uns Gott, behüte uns Gott“ (EG 171) – mit diesem Segenslied wurde der Studientag abgeschlossen, der von den meisten Teilnehmern als gelungener und ermutigender Start ins neue Semester empfunden wurde.

 


 





 

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